Krise, welche Krise ?

L'albero in piazza Duomo

Samstag Nachmittag im Mailänder Zentrum. Menschenmassen drängen tütenbepackt durch die Straßen zwischen San Babila und dem Mailänder Schloss. Von Krise ist an diesem letzten Novemberwochenende nichts zu spüren.  Es sind diese Momente, in denen man sich fragt, was denn  nun dran ist an den konjunkturellen Schreckenszahlen.  Ebenso wie wenn man am Wochenende wieder im Stau steht, weil alle ins Wochenende fahren und am Feiertag nirgends ein Hotel findet, obwohl die Hoteliers jammern.

Mir ist schon bewusst, dass ich hier im reichen Norden Italiens, wo die Porsche-Dichte wohl höher ist als in Düsseldorf,  ein verzerrtes Bild Italiens sehe. Aber es ist nun einmal so,  dass die offiziellen Zahlen in Italien nur die Hälfte aussagen und das liegt vor allem daran, dass so vieles an der Steuer vorbei geht. Die Schätzungen über das Ausmaß der Schattenwirtschaft reichen von 25 bis 26 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (Cerm) bis zu 50 Prozent (KRLS Network of Business Ethics) . 

Wer durch Italien reist, kann es merken: Meine letzten Reisen nach Sizilien und in die Abruzzen haben keine Spuren hinterlassen. Kein einziges Restaurant oder Hotel hat mir eine steuerlich geltende Quittung ausgehändigt. Für die offiziellen Statistiken bin ich also nie dort gewesen und der Tourismus hat mich dort nie gesehen. Und so arm, wie es di Statistiken glauben machen, schienen mir die Menschen mit ihren schönen Häusern und Autos auch nicht.

Sicher, es gibt sie, die armen Menschen in Italien und zwar viel zu viele davon, zumal die Schere zwischen arm und reich hier eine der größten in der westlichen Welt ist und die Top-Manager  ein vielfaches ihrer deutschen Kollegen verdienen (aber das ist ein anderes Thema…). Aber so arm, wie Italien sich rechnet, ist es nicht. Zum Beweis noch eine letzte Zahl: Nach einer Studie der Edison-Stiftung kommt Italien beim Bruttoinlandsprodukt-pro Kopf mit 22 876 Dollar (in Kaufkraft gemessen) nur auf Platz 22 weltweit. Beim Netto-Vermögen pro Kopf mit 120 897 Dollar (in Kaufkraft gemessen) schafft es das Land aber auf Platz Acht. Irgedwo muss das Geld ja herkommen.  

Aber zurück zum Shopping nach Mailand: Meine Eindrücke stammen nur aus der Hauptshopping-Zone, die von H&M über Sisley zu Max Mara reicht. Wahrscheinlich herrschte bei den wahren Luxusmarken in der Montenapoleone und der Via della Spiga triste Leere…

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Mailand, Norditalien, Shopping

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s