Das Facebook-Volk demonstriert gegen Berlusconi

„No Berlusconi Day“ heißt die Großdemonstration, die für diesen Samstag Nachmittag in Rom angekündigt ist.

Gerade komme ich von einem Gespräch mit den Mailänder Organisatoren. Und was am meisten erstaunt, ist, dass es diesmal nicht die Gewerkschaften, Parteien oder die Regierung sind, die die Menschen auf die Straße rufen, sondern zum ersten Mal die Benutzer des Internets, insbesondere die von Facebook.Am 9. Oktober wurde die Idee auf Facebook geboren und zählt schon jetzt fast 400 000 Fans.

Ziel der Demo ist es, Berlusconis Rücktritt zu fordern. 700 Busse sind bereits gebucht, Hunderttausende Menschen werden erwartet.

Erstaunlich ist auch, dass die Mitstreiter diesmal nicht die typischen Linken sind, die man als gegener Berlusconi erwartet, sondern Menschen, die meistens bisher unpolitisch gelebt haben. „Ich hatte mit Politik nie etwas zu tun“, sagt Fausto Renzi, ein leitender Angestellter einer Großbank, „aber diese Person hat einfach zu lange unsere Politik, Kultur und Institutionen beeinflusst“. Der junge Mann im Nadelstreifenanzug ist über das Internet auf die Initiative aufmerksam geworden und hat sich für die Diskussionen im Netz begeistert. Diese Woche hat er extra Urlaub genommen, um die Facebook-Sympathisanten aus Mailand zu organisieren. Die Nächte verbringt er mit Conference Calls über Skype und „physischen Treffen“ mit anderen.

Auch ein 59-jähriger Mailänder Werber, Manlio Trusia, hilft bei der Vorbereitung. ,„Ich habe eine neue Welt entdeckt und bin erstaunt, wie viele junge Menschen sich im Internet informieren und engagieren“, erzählt Trusia, dem die jungen Mitstreiter extra für die Initiative einen Schnellkurs in Facebook gegeben haben.

Viele sind erstaunt, wie viele Sympathien ihnen entgegen kommt. Der IT-Experte Gianni Sissa etwa: Er war am Montag in einer Diskussionsrunde „Il Fedele“ im italienischen Fernsehen aufgetreten, in der es um den No-Berlusconi-Day ging. Als er am nächsten Morgen zur Arbeit kam, standen seine Kollegen auf einmal applaudierend im Raum und lieferten eine Standing Ovation. „Und ich dachte immer, ich arbeite in einem Nest von Berlusconianern….“, sagt Sissa lachend.

Berlusconi selbst wird am Samstag im Zug der Italienischen Eisenbahn sitzen, die eine neue Hochgeschwindigkeitsstrecke einweiht. Damit kommt man jetzt auch ganz schnell aus Rom weg.

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Eingeordnet unter Berlusconi, Internet, Politik

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