Wenn die Mammoni die Eltern verklagen

Das Wochenmagazin „Venerdi“ hat es heute auf dem Titel:

Immer mehr Italiener jenseits der 30 oder auch 40 Jahre verklagen ihre Etern auf Unterhalt. Laut der Vereinigung der Familienrechts-Anwälte geht es bei den Klagen nicht mehr nur um Scheidungen, sondern bei zehn Prozent der Klagen um längst erwachsene Kinder, die weiter von ihren Eltern ausgehalten werden wollen.

Das Schlimme: Die Gerichte geben ihnen recht. Erst kürzlich hat das höchste Berufungsgericht in einem Fall entschieden, dass ein Mann aus Ferrara seine verheiratete und fertig studierte Tochter weiter finanziell unterstützen muss.

Dass Italiener lange zuhause bleiben, ist bekannt. Die Männer verlassen im Durchschnitt erst mit 31 Jahren das elterliche Dach (in Deutschland liegt das Alter bei 25,5).

Sicher, es gibt in Italien kein Sozialsystem, das die Menschen auffängt wie in Deutschland. Aber gerade die Männer haben es auch zu bequem: sie müssen im Haushalt kaum helfen und statt Miete zu zahlen, können sie sich ein schönes Auto, Essen gehen und gute Kleidung leisten. Grenzen setzen ihnen dieEltern von heute auch nicht mehr. Warum sollte man da gehen ?

Hier ist das übrigens auch nicht anrüchig in den Augen der Frauen. Während in Deutschland ein Mitte 30-Jähriger, der noch bei Papa und Mama wohn, mindestens als psyhisch labil gilt, ist das in Italien Normalität. Oft wohnen die Frauen ja auch noch daheim.

Neu ist, dass die Richter ihnen recht geben.

Und ich frage mich, was diese „Kinder “ machen, wenn ihre Eltern alt und hilfsbedürftig werden. Die Antwort ist mir allerdings schon klar: Sie stellen eine „Badante“ – eine Hilfskraft aus Osteuropa ein – bezahlt von der Rente der Eltern.

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3 Kommentare

Eingeordnet unter italien, Tradition

3 Antworten zu “Wenn die Mammoni die Eltern verklagen

  1. Johann Grabner

    das ist in Österreich seit Jahrzehnten ständige Rsp: es gibt keine Altersgrenze für Unterhalt. Selbst nach einem absolvierten Studium nicht.

    Aus dem Urteil 1Ob288/98d vom 27.04.1999:
    „… Die am 2. 2. 1967 geborene Tochter des Beklagten aus erster Ehe war nach dem Studium der Publizistik und Kunstgeschichte in der Zeit von 10. 1. 1996 bis 15. 1. 1997 berufstätig. Seither ist sie arbeitslos, weil ihr Beschäftigungsverhältnis aus Rationalisierungsgründen gelöst wurde. Sie bezieht monatlich ca S 4.400 Arbeitslosenunterstützung … Die Unterhaltspflicht des Beklagten gegenüber seiner Tochter … habe mit Januar 1997 wieder aufgelebt, weil die Selbsterhaltungsfähigkeit der Tochter durch die dann eingetretene, nicht verschuldete Arbeitslosigkeit wieder verlorengegangen sei. Dem Gesetz ist kein Anhaltspunkt zu entnehmen, daß ein volljähriges Kind nach Erreichen der Selbsterhaltungsfähigkeit diese nicht auch wiederverlieren könnte. Es ist daher auch in Lehre und Rechtsprechung unbestritten, daß die Unterhaltspflicht der Eltern unabhängig vom jeweiligen Alter des Kindes aus den unterschiedlichsten Gründen wieder aufleben kann, wenn der Unterhaltsberechtigte außerstande ist, die Mittel zur Bestreitung seines Lebensunterhalts zur Gänze oder auch nur teilweise durch eigene Erwerbstätigkeit zu verdienen…“

    Die Tochter war damals also schon 32 und hat Unterhalt in Höhe eines einfachen Angestelltengehalts zugesprochen bekommen. Das geht natürlich nur, wenn der Vater so wie hier als Vorstand einer Fluglinie gut verdient. Der Anspruch erlischt mit dem Ableben eines der Beteiligten, aber es gibt keine Altersgrenze. Insofern nichts neues, wenn das in Italien auch möglich ist.

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