Die Kürbisse und der Spread

KürbisEin genialer Post auf dem Blog Minchiachefame: Vielsagende Beobachtungen eines Italieners in Deutschland. Hier die Übersetzung:

Chiemsee, Bayern, Deutschland, letzte Woche. Vom Auto aus sehen wir am Rand der Landstraße ein paar Paletten mit bunten Kürbissen.

Eine Dame hält an und nimmt sich ein paar. Wir kehren um, wollen es uns näher anschauen.

In einfachen Worten: Der Bauer hat seine Kürbisse und Zucchini, nach Sorten getrennt an den Straßenrand gestellt. Es gibt einen Preis: 2,50 Euro pro Stück oder drei Euro. Wir schauen uns um. Das Feld ist voller Pflanzen: Blumen, für jede Sorte ein Preis. Für Hunderte von Quadratmetern. Etwas weiter Mais, ein Preis pro Kolben…. In der Mitte ein Tisch mit ein paar Messern, um die Blumen abzuschneiden, ein Schild mit den Preisen, Stift und Papier für die Rechnung und eine Metalleimer als Kasse mit einem Schlitz.

Die Dame von eben nimmt ein paar Kürbisse, noch etwas, rechnet zusammen und legt das Geld in die Kasse.

Wir stehen noch immer da mit offenem Mund.

Ein anderes Auto kommt. Ein junger Mann steigt aus – Typ Dolce&Gabbana-Model – nimmt sicher das Messer und geht aufs Feld, schneidet ein paar Blumen und ein paar Maiskolben ab. Auch er geht und zahlt.

Auch wir nehmen einen Kürbis und eine Artischocke, legen das Geld in den Becher , noch immer mit aufgerissenen Mund.

Offensichtlich funktioniert das Ganze. Aber nach ein paar Hundert Metern platzt es heraus: „In Italien könnte man das nie machen“, sage ich.
„Ja, die würden alles mitnehmen“, sagt sie.
„Die würden mitdem Ape-Minilaster kommen, alles aufladen und ein Stück weiter verkaufen“, sage ich
„statt zu zahlen würden sie die Kasse klauen“ sagt sie.
„Ne, die würden die stehen lassen, die wäre ja eh leer. Aber sie würden den Stift mitnehmen“ sage ich.
„Tja“
„Und so erklärt sich der Spread“  (gemeinst ist der Risikoaufschlag für italiensche Staatsanleihen gegenüber deutschen- die red.)
„mmh mmh“
 
„Wir schauen uns traurig den orangen Kürbis an, orange wie die Sonne, mit der wir uns so gerne brüsten, als wäre sie unserer Verdienst und nähern uns der Grenze.
 
Dann die Stille, nur das Prasseln des Regens und das leise, zuverlässige teutonische  Geräusch des Motors meines Autos.
MinchiaCheFame Blog
 
 
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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Essen & Trinken, italien, Shopping, Tradition

Eine Antwort zu “Die Kürbisse und der Spread

  1. Genau so (ohne den Spread, der hat 2003 noch Keinen interessiert) haben mein Schwager und seine Frau auch reagiert, als sie das erste Mal das Phaenomen des Selbstpflueckens (und Bezahlens) in Deutschland gesehen haben!
    Torsten

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